Ohndorf | 18.03.2026 | Auf dem Grundstück für unser neues Feuerwehrhaus sind derzeit Arbeiten zu beobachten. Ein Bagger hebt Gräben aus und Menschen machen sich darin zu schaffen. Doch es sind keine Vorbereitungen für den Neubau sondern archäologische Grabungen.
Dass unsere Gegend seit Tausenden Jahren vom Menschen besiedelt wird, ist spätestens seit dem Fund 2.500 Jahre alter Urnen in Hohnhorst und einer mehr als 3.000 Jahre alten Keramikscherbe in Ohndorf bekannt. Somit lag die Vermutung nahe, dass es auch auf dem Grundstück für das neue Feuerwehrhaus Überraschungen im Boden geben könnte.
Und die Archäologen behielten Recht. Eine erste Begehung über Weihnachten 2025 brachte zahlreiche Artefakte zum Vorschein. Besonders das Stück einer alten Kette erregte Aufmerksamkeit und im Umfeld der Fundstelle sollten weitere Grabungen stattfinden. Anfang des Jahres machte das Wetter den Wissenschaftlern noch einen Strich durch die Rechnung, aber je näher der Frühling rückte, desto besser wurde das Wetter.

Und die Grabungen brachten spannende Ergebnisse. So fanden die Archäologen bislang zwölf sogenannte Brandgräber aus dem 4. Jahrhundert n. Chr. Zu dieser Zeit, in der auch die Völkerwanderung stattfand, lebten in unserer Gegend die Angrivaren. Über diesen germanischen Stamm berichtete auch schon der römische Geschichtsschreiber Tacitus.

Die Verstorbenen wurden verbrannt und die mit Wasser gelöschten Überreste in flachen Gruben bestattet. Diese sind heutzutage an den schwarzen Verfärbungen im Boden zu erkennen. In einem Grab kam ein für den Laien unscheinbares Stück zum Vorschein. Dabei handelt es sich wohl um den Griff eines sogenannten „Hemmoorer Eimers“. Das sind dünnwandige Metalleimer aus römischer Produktion. Wahrscheinlich war das Gefäß schon Jahrzehnte oder Jahrhunderte im Familienbesitz, bevor es zusammen mit der oder dem Verstorbenen verbrannt und schließlich bestattet wurde. Als Herkunft vermutete der Leiter der Ausgrabung Gallien – eine römische Provinz im heutigen Frankreich. In der Asche fanden sich weitere kleine Metallstücke, die vermutlich auch zu dem Eimer gehören. Die spätere Reinigung und Untersuchung wird sicherlich genauere Erkenntnisse bringen.

Die heutige Gegend rund um unsere vier Orte war schon lange besiedelt. Die Rodenberger Aue mit ihrem Überschwemmungsgebiet sorgte für fruchtbaren Boden und der Helweg, eine Jahrtausende alte Verbindung zwischen der Nordsee und dem Osten Europas, sorgte für Handelsbeziehungen.
Neben den genannten Stücken kamen während der Untersuchungen auch bearbeiteter Feuerstein aus der Steinzeit sowie Stücke aus jüngerer Zeit, beispielsweise dem 17. bis 19. Jahrhundert, ans Licht.
Ein ausführlicher Bericht mit den Ergebnissen soll Ende des Jahres bei der Schaumburger Landschaft, einem Verein, der hier im Landkreis auch für die Kommunalarchäologie zuständig ist, veröffentlicht werden.

